Winterquartiere


Bitte nicht stören!
Im Winter halten Fledermäuse in Felshöhlen, Baumhöhlen, Fassadenspalten, Kellern oder Scheiterbeigen einen Winterschlaf. Sie verkriechen sich einzeln oder in Gruppen und verlangsamen ihren Stoffwechsel, um den kalten und darum insektenarmen Winter überdauern zu können. Dabei zehren sie einzig von ihren Fettreserven. Ihre Körpertemperatur entspricht der Umgebungstemperatur, der Herzschlag wird von über 1000 pro Minute im Flug auf oft weniger als ein Dutzend reduziert und die Atmung sinkt auf wenige Atemzüge pro Stunde. Der Energieverbrauch wird damit auf ein Minimum reduziert. Darum werden im Winter zu warme Verstecke gemieden, weil hier die Fettreserven zu schnell aufgebraucht würden.

 

 

 

 

Sinkt die Umgebungstemperatur gegen den Nullpunkt, baut die Fledermaus gezielt Fettreserven für eine kontrollierte Steigerung der Körpertemperatur ab. Wird es noch kälter und dauert der Frost zu lange, weckt ein Alarmmechanismus das Tier auf. Es muss sich schnellstens einen günstigeren Unterschlupf suchen, sonst übernutzt es seine Fettreserven.

Winterschläfer sind hilflos
In tiefer Winterschlaflethargie sind Fledermäuse steif und klamm und darum vollkommen hilflos! Sie wirken, als ob sie tot wären. Alles was sie tun können, ist reflexartig den Mund aufzureissen und lauthals zu zettern, ganz im Sinne von «Das bin ich, aber lass mich in Ruhe!». Es kann eine Viertelstunde und länger dauern, bis sie mit Muskelzittern ihren Körper soweit aufgeheizt haben, dass sie wegfliegen können. Ganz klar, dass sie sich im Winterschlaf hilflos fühlen und sich darum in sichere Ritzen und Spalten verkriechen. Bei einer Störung wachen Sie auf. Der Vorgang verbraucht viel Energie. Die aufgewendete Energiemenge für eine Stunde Wachzeit entspricht rund einer Woche Winterschlaf. Häufige Störungen können die Tiere daher erschöpfen. Da im Winter kaum Nahrungs-Insekten fliegen, damit sich die Fledermäuse auf der Jagd neue Fettreserven anlegen können, müssen sie mit den vorhandenen Energiereserven zurecht kommen. Winterschlafende Fledermäuse sollen deshalb in Ruhe gelassen werden.

 

 

 

 

Hilfe für im Winter gefundene Fledermäuse
Oft handelt es sich bei im Winterschlaf gefundenen Fledermäusen um Grosse Abendsegler oder Rauhautfledermäuse, weil diese Arten Winterquartiere an Häusern beziehen.
Rauhautfledermäuse verschlafen den Winter gerne in Scheiterbeigen (Brennholzstapeln). Leider werden sie dort oft gestört. Wird die Scheiterbeige gegen Winterende aufgebraucht, werden mit den letzten Holzscheitern oft schlafende Rauhautfledermäuse mit in die Wohnung getragen. Dort erwachen sie und flattern unvermittelt herum! Und manchmal verirren sich Rauhautfledermäuse auch durch offen stehende Fenster in Wohnungen und Büroräume. Solche Tiere brauchen schnell Hilfe. Ist es draussen sehr kalt, sind sie auch kaum in der Lage, innert nützlicher Frist ein wintertaugliches Ersatzquartier zu finden.
Grosse Abendsegler überwintern manchmal in Storenkästen. Gefährlich wird es für sie, wenn der Storen heruntergelassen wird, denn dabei können die klammen und hilflosen Tiere herausfallen.

Richtig reagieren
Helfen ist einfach. Legen Sie eine kleine Schachtel bereit. In den Deckel stechen Sie einige kleine Luftlöcher (Schere, Bleistift). Ergreifen Sie die Fledermaus mit einem Handschutz. Achtung: Fledermäuse können zubeissen. Sie sind Wildtiere und können deshalb auch Krankheiten übertragen. Fledermäuse sollte man darum nie mit blossen Händen anfassen – am besten Handschuhe tragen! So gehen Sie kein Risiko ein. Legen Sie das Tier zusammen mit einem Stofflappen in die Schachtel. Nun verschliessen Sie die Schachtel gut und kleben die Spalten zudem mit Klebband zu. Rufen Sie das Fledermausschutz-Nottelefon an – 079 330 60 60 – und sprechen Ihren Namen und Ihre Telefonnummer auf das Band. Sie erhalten umgehend einen Rückruf und Auskunft über das weitere Vorgehen.

Winterquartiere schaffen
Für Fledermäuse können Winterquartiere einfach geschaffen werden. Rauhautfledermäuse bevorzugen vom Wind und Regen geschützte Scheiterbeigen an Hausfassaden oder unter Treppenaufgängen. Auf keinen Fall darf der Holzvorrat in einem Winter vollständig abgetragen werden; die Tiere sollten sich immer in eine «Restbeige» zurückziehen können. Kommt beim Holzabtragen trotzdem eine Rauhautfledermaus zum Vorschein, kann man sie einfach zwischen die Scheiter dieser «Restbeige» legen und weiterschlafen lassen (immer nur mit Handschuhen anfassen, da sie beissen könnten).
Für Grosse Abendsegler und andere Fledermausarten können Federmauskästen an der Fassade montiert werden oder die Wandverschalung wird für Fledermäuse zugänglich gemacht. Jeder Hohlraum hinter Wandverschalungen kommt als Winterquartier in Frage, wenn er zwei Bedingungen erfüllt: er muss zugluftfrei sein und einen griffigen Zugang bieten. Im Normalfall sollte der Ein- und Ausflug mehr als 4 Meter über Boden sein. Mit wenig aufwendigen handwerklichen Massnahmen kann man Spalträume hinter Wandverschalungen optimal zugänglich machen. Man schafft eine griffig aufgerauhte Landefläche beim Einschlupfspalt und achtet auf einen griffigen Untergrund.

Hände weg!
Bereits bewohnte Estriche sind immer auch optimale Quartiere. Hände weg von den dort lebenden Tieren, diese nicht aufwecken oder gar aufscheuchen und auf keinen Fall auch noch so gut gemeinte "Verbesserungen" am Quartier durchführen.

Hauptbedrohung Renovationen!
Steht die Renovation eines Gebäudes an, in dessen Estrich sich eine Fledermauskolonie befindet, so ist bereits in der Planungsphase der Rat der Kantonalen Fledermausschutz-Beauftragten einzuholen. Man sollte die Hangplätze und die Ein- und Ausflugöffnungen erhalten können - und es dürfen ausschliesslich fledermausverträgliche Holzschutzmittel (pdf) eingesetzt werden.

Ich möchte Fledermäuse in meinem Estrich haben!
Grundsätzlich kommt jeder Estrich als Fledermausquartier in Frage, wenn er zwei Bedingungen erfüllt: er muss warm und ruhig sein und er muss einen geeigneten Zugang haben. Mit wenig aufwendigen handwerklichen Massnahmen kann man im Estrich optimale Hangplätze schaffen.