Langohren - Falterfresser und Rüttelflugspezialisten


Riesige Ohren
Die riesigen Ohren der Langohren sind knapp 5 cm lang, fast so lang wie ihr Körper! Zum Schlafen biegen sie diese nach hinten und klemmen sie zwischen Unterarme und Körper. Beim schlafenden Tier erkennt man im ersten Moment nur den vorstehenden Ohrdeckel.

Wache Langohren richten die Ohren steil auf. Sie können sie einzeln bewegen und je nach Situation nach vorn oder zur Seite richten.

Langohren haben sehr breite Flügel, die viel Auftrieb erzeugen. Sie sind dadurch in der Lage, ganz langsam und sehr wendig zu fliegen. Sie können senkrecht vom Boden starten, im Rüttelflug an Ort in der Luft verharren, kurz rückwärts fliegen und sogar Loopings drehen. Langohren kann man deshalb immer wieder in Baumkronen und mitten im dichten Gestrüpp auf dem Jagdflug beobachten.

Vorliebe für Falter
Langohren suchen ihre Beutetiere mit Vorliebe im Blättergewirr von Sträuchern und Bäumen. Sie benutzen zur Orientierung oft die Echos ihrer Ultraschallrufe. Ähnlich wie Hufeisennasen können sie die Rufe durch die Nase aussenden. Auch ihre vergleichsweise grossen Augen spielen bei der Orientierung eine wichtige Rolle.

Die Beute verrät sich meist durch ihre Krabbelgeräusche. Häufig wird diese im Rüttelflug vom Untergrund abgelesen. Langohren fressen mit Vorliebe Falter. Mit grossen Beutetieren fliegen sie meist zu einem bestimmten Hangplatz. Hier verzehren sie die schmackhaften Weichteile der Beute in Ruhe im Hangen und lassen Fühler, Köpfe, Beine und Flügel zu Boden fallen. Solche Jagdpausen-Plätze nennt man Frassplätze. Die herum liegenden Frassreste verraten die Speisekarte der nächtlichen Jäger.

Dachstöcke und Baumhöhlen
Langohren besiedeln eine Vielzahl von Ver­stecken. Immer wieder trifft man Wochenstuben in Dachstöcken an. Aber auch in Fassaden-spalten, Baumhöhlen, Vogelnist- und Fledermauskästen werden Junge aufgezogen. Pro Mutter ist es meist nur ein Jungtier pro Jahr.

In Dachstöcken hängen Langohren nicht immer frei sichtbar an der Dachkonstruktion. Sie verkriechen sich gerne in Ritzen und Spalten, unter die Firstziegel und in Balkenkehlen. Im intensiv bewirtschafteten Mittelland bestehen die Wochenstubenkolonien meist aus etwa einem Dutzend Tiere. In extensiv bewirtschafteten Gegenden wie im Jura und in den Alpen sind grössere Kolonien häufiger. Die kalte Jahreszeit verbringen Langohren Winter schlafend in Höhlen und Stollen sowie Kellern mit Naturböden.

Drei Arten in der Schweiz
Sind sich Tierarten so ähnlich, dass man sie kaum unterscheiden kann, so spricht der Zoologe von «Geschwisterarten». Das oben abgebildete Braune Langohr (Plecotus auritus), das Graue Langohr (Plecotus austriacus), sowie eine dritte Art, das Alpenlangohr (Plecotus macrobullaris) sind solche Geschwisterarten.

Die Bestimmung am lebenden Tier ist schwierig. Es werden dazu Kriterien wie die Daumenlänge, die Färbung des Ohrdeckels und die Ausbildung bestimmter Sinneshügel im Gesicht herangezogen. Am zuverlässigsten lässt sich ein Langohr mit einem DNA-Test einer der drei Arten zuordnen.
Braune Langohren sind in der ganzen Schweiz von den tiefen Lagen bis ins Gebirge verbreitet. Graue Langohren findet man vor allem entlang des Juras, von Schaffhausen bis ins Welschland. Im Mittelland und in den Alpen fehlen sie. Das Graue Langohr ist etwas grösser und kräftiger als das Braune Langohr. Über das Verbreitungsgebiet des Alpenlangohrs ist noch wenig bekannt. Gesichert sind Vorkommen in den Alpen-Föngebieten und im Tessin.

Langohren fördern
Beim Braunen Langohr ist in den letzten Jahren ein massiver Bestandesrückgang zu beobachten. Viele Verstecke sind heute verwaist.

Unsere Kulturlandschaft ist heute weitgehend ausgeräumt. Reich strukturierte Landschaften mit Hochstammobstbäumen und Hecken bilden wichtige Jagdlebensräume für Langohren. Bei Renovationen und Umbauten wurden zudem viele geeignete Verstecke zerstört. Dort, wo sie noch vorhanden sind, fehlen oft Strukturen wie Hecken, dank denen die Langohren sicher ins Jagdgebiet finden.

Wo Langohren im Dachstock ein Versteck haben, sollte man nichts verändern. In zugänglichen Dachstöcken, in denen aber Ritzen zum Verkriechen und deshalb Langohren fehlen, können mit dem Anbringen von Fledermauskästen die Voraussetzungen für eine Besiedlung geschaffen werden. Geeignete Jagdlebensräume sollten in der näheren Umgebung vorhanden sein. Infomieren Sie sich in unserem Ratgeber.