Windenergieanlagen im Wald können Fledermäuse vertreiben

Auch wenn die grosse Stromknappheit bisher glücklicherweise ausgeblieben ist, hat infolge des Krieges in der Ukraine die Offensive zum Ausbau erneuerbarer Energiequellen längst eine riesige Dynamik angenommen. So sollen zum Beispiel bis 2050 allein im Kanton Zürich 120 Windenergieanlagen (WEA) an 46 bis zu 63 verschiedenen Standorten gebaut werden, viele davon auch in bewaldeten Gebieten. Der forcierte Umstieg auf alternative Energien ist grundsätzlich eine begrüssenswerte Entwicklung. Heikel wird es aber, wenn dabei die Anliegen der Biodiversität und des Naturschutzes ausser Acht gelassen werden. Wie nämlich auch jüngst am UN-Weltnaturgipfel bekräftigt, lassen sich Klima- und Biodiversitätskrise nur gemeinsam lösen.

Fledermäuse sind vom Ausbau der Windenergie besonders betroffen. Insbesondere ist seit langem bekannt, dass sie durch die schnell drehenden Rotoren zu Tode kommen können. Dass aber Windenergieanlagen (WEA) im Wald Fledermäuse auch grossflächig beeinträchtigen können, ohne sie unmittelbar zu töten, zeigten im vergangenen Jahr zwei Studien, je eine aus Deutschland und Finnland. In beiden Arbeiten wurde die Fledermausaktivität im Umkreis von WEA untersucht. Die Deutsche Studie kam zum Schluss, dass die Aktivität kleinräumig und strukturnah jagender Fledermäuse wie Langohren oder die Angehörigen der Gattung Myotis im Umkreis mehrerer hundert Meter um WEA drastisch reduziert war. Dies traf insbesondere auf grosse Anlagen zu. In der Finnischen Studie zeigte die Nordfledermaus eine verringerte Aktivität in Distanzen bis zu 600m um WEA,  Vertreter der Gattung Myotis sogar bis 800m. In beiden Untersuchungen dürfte der Lärm der Anlagen zur Reduktion der Fledermausaktivität geführt haben.

Diese Erkenntnisse werfen ein neues Licht auf den Ausbau der Windenergie, denn WEA im Wald können offenbar zu einem grösseren Lebensraumverlust für Fledermäuse führen, als bisher angenommen.

Um dies zu verhindern, setzt sich die Stiftung Fledermausschutz dafür ein, dass im Umkreis von Wochenstuben kleinräumig agierender, bedrohter Fledermausarten auf den Bau von WEA vorsichtshalber verzichtet wird, bis die Kenntnisse durch weiter Daten erhärtet oder entkräftet werden. Dadurch helfen wir mit zu verhindern, dass wir beim Versuch, die Klimakrise zu lösen, die Biodiversitätskrise noch mehr verschärfen.