29 verschiedene Pestizide in deutschen Fledermäusen nachgewiesen

Insektizide, eine Gruppe von Pestiziden, werden definitionsgemäss zur Dezimierung von Insekten eingesetzt. Fledermäuse kommen als Insektenfresser deshalb zwangsläufig mit ihnen und anderen Pestiziden in Kontakt. In welchem Ausmass dies passiert, lässt sich bisher nur mit grossem Aufwand untersuchen. Ein Team deutscher Forscher*innen hat eine neue Analysemethode entwickelt und 387 Fledermäuse fünf verschiedener Arten aus dem ganzen Land auf insgesamt 209 Pestizide und schwer abbaubare organische Schadstoffe untersucht. Das Forscherteam konnte in jeder einzelnen Fledermaus Pestizidrückstände nachweisen, in manchen Tieren bis zu 25 verschiedene Substanzen.

Besorgniserregend ist, dass das Insektizid DDT – in Westdeutschland (und auch der Schweiz) seit 1972 verboten, in der DDR seit 1988 – in allen 387 Fledermäusen nachgewiesen werden konnte. DDT wird eine Mitschuld am Zusammenbruch ganzer Fledermauspopulationen Mitte des 20. Jahrhunderts zugeschrieben. Auch chlorierte Biphenyle, welche seit 2001 weltweit verboten sind, wurden in fast allen Fledermäusen gefunden.

Die Ergebnisse zeigen, dass wir insbesondere mit langlebigen Insektiziden und anderen schwer abbaubaren Substanzen verantwortungsvoll umgehen müssen. Selbst seit Jahrzehnten verbotene Substanzen können auch heute noch in Fledermäusen nachgewiesen werden. Sie sind also immer noch in unserer Umwelt.

Inwiefern und wie stark Pestizide unsere Fledermausfauna beeinträchtigen, kann auch die vorliegende Untersuchung nicht beantworten. Der Einfluss von Pestiziden auf «Nichtzielorganismen» wie Fledermäuse oder auf uns Menschen ist nämlich immer noch weitgehend unerforscht. So ist es bereits aufwendig, verlässliche Daten über ein einzelnes Pestizid zu sammeln. Über die kumulativen Effekte, also die Wechselwirkungen verschiedener Pestiziden auf einen Organismus, weiss man bis heute kaum etwas. Dies ist nicht weiter erstaunlich, denn es gäbe bereits bei 25 verschiedenen Substanzen mehr als 4*1026 mögliche Kombinationen zu untersuchen – dies entspricht einer Vier mit 26 Nullen – ohne Berücksichtigung unterschiedlicher Konzentrationen.

In der Schweiz dürfte die Situation eine ähnliche sein. Über behördliche Mitwirkungsverfahren, durch persönliche Beratungen, Kursblöcke für Schädlingsbekämpfer und den Unterhalt einer Liste mit fledermausfreundlichen Holzschutzmitteln setzt sich die Stiftung Fledermausschutz deshalb für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Pestiziden ein.

 

Link zur Originalpublikation