Fledermäuse selber erleben


 

 

 

 

Fledermäuse in der Natur zu beobachten ist ein unvergessliches Erlebnis. Fledermäuse gehen oder vielmehr fliegen aber ihre eigenen Wege. An bekannten Fledermausquartieren bzw. Jagdgebieten kann es durchaus vorkommen, dass keine Fledermaus beobachtet werden kann. Obwohl Fledermäuse Gewohnheitstiere sind, ändern sie von Zeit zu Zeit ihre Gewohnheiten. Zudem fliegen sie nur, wenn es ihnen genug warm und der Bauch genug leer ist.

Fledermäuse zu beobachten braucht Geduld! Freuen Sie sich, wenn Sie die Tiere beobachten können, und seien Sie nicht zu enttäuscht, wenn sie nur Fledermausfutter fliegen sehen. Fliegende Fledermäuse können an günstigen Stellen fast überall gefunden werden, um jedoch den Erfolg Ihrer Fledermausbeobachtung zu erhöhen, finden Sie hier zu ausgewählten Fledermäusen Beobachtungstipps und eine Übersicht der abendlichen Ausflugszeiten (pdf, 581 kB) häufiger Fledermausarten. Eine übersichtliche Zusammenstellung darüber, wo man welche Fledermausarten wann beobachten kann, finden Sie Frequenzen man welche Fledermausarten mit einem handelsüblichen Heterodyn-Detektor am besten hört - wir vermitteln Ihnen auf Anfrage Informationen, wo sie solche beziehen können. Oder laden Sie sich auf unserer Downloadseite Hörbeispiele herunter.

Wir stellen Ihnen vier Fledermausarten mit Beobachtungstipps vor. In unserem Shop bieten wir Ihnen für den Kanton AG einen speziellen Exkursionsführer an. Informieren Sie sich über Exkursionsstandorte im Kanton Zürich unter www.fledermausschutz-winterthur.ch.

Grosser Abendsegler

Beste Jahreszeit
Am spannendsten sind die Beobachtungen von Ende August bis Anfang Oktober. In dieser Zeit sind bei uns mehr Grosse Abendsegler als während dem Sommer anwesend, weil die Weibchen aus dem Nordosten zurück sind. Und dann ist Balzzeit. Fledermäuse beobachten ist sowieso eine schöne Sache, aber wenn man sie nicht nur sieht, sondern auch noch ohne Ultraschalldetektor hört (die Ultraschallrufe Grosser Abendsegler liegen an der menschlichen oberen Hörschwelle), ist es einfach unglaublich faszinierend! Im frühen Herbst sind die Abende meistens noch warm genug, damit die Fledermäuse ausfliegen. Wählen Sie einen möglichst warmen, trockenen Abend für Ihre Beobachtungen, dann ist die Chance am grössten, dass die Flatterer zu sehen sind.
Im Oktober fliegen die Abendsegler immer häufiger irgendwann am Tag aus oder gehen gar nicht mehr auf die Jagd, weil sie schon genügend Winterspeck angefressen haben. Deshalb ist der spätere Herbst für Beobachtungen nicht mehr gut geeignet.

Ausflug – und Jagdzeit
Der Grosse Abendsegler fliegt schon früh zur Jagd aus, etwa dann, wenn die Sonne untergeht. Wir stellen Ihnen eine Tabelle mit den Sonnenuntergangszeiten (pdf) zur Verfügung. Im August ist der Ausflugbeginn bezüglich Sonnenuntergang ungefähr eine Viertelstunde später als Ende September, denn je kürzer und kühler die Tage werden, desto früher verlassen die Abendsegler das Quartier. Schon vor dem Ausflug (und an warmen Tagen auch schon am Nachmittag) hört man Gezeter aus dem Versteck - oft eine Baumhöhle.
Möchte man den Grossen Abendsegler bei der Jagd beobachten, sollte man bei Sonnenuntergang im Jagdgebiet sein. Um diese Zeit ist es noch hell, und man kann die Tiere gut beobachten. Je dunkler es wird, desto weniger sieht man von den Fledermäusen. Die Jagdrufe des Grossen Abendseglers (113 kB; mp3-Format) sind sehr laut und stimmhaft. Der Ultraschalldetektor wird auf eine Empfangsfrequenz von 20 kHz eingestellt.
Beim Quartier muss und kann man sich mehr Zeit nehmen. Um den Ausflug nicht zu verpassen, empfiehlt es sich, schon eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang beim Quartier zu sein. Ungefähr eine Stunde nach dem Ausflug kehren die ersten Tiere wieder zurück. Doch auch während der Jagdzeit kann am Quartier viel los sein. Hier braucht es einfach Glück und Geduld. Es ist möglich, dass man beim gleichen Quartier an einem Abend weder etwas sieht noch etwas hört, und zwei Tage später bietet sich einem ein Spektakel mit riesigem Gezeter und Anfliegen und Wegfliegen.

Beobachten im Jagdgebiet
Da die Grossen Abendsegler sehr schnell fliegen, kann man ihrem Jagdflug kaum mit einer Lampe folgen. Dafür kann man das Abendrot geniessen, wenn man ihnen nachschaut, denn um die schnellen Flieger beim Jagen zu beobachten, schaut man in den immer noch ziemlich hellen Himmel oder über das Wasser, wenn es hell spiegelt. So sieht man sehr gut die dunklen Umrisse der Grossen Abendsegler. (Oder auch die der kleineren Arten, wenn verschiedene Fledermäuse im gleichen Gebiet jagen.)

Beobachten beim Quartier
Um den Ausflug aus einem Baumhöhlenquartier zu beobachten, stellt man sich so neben den Baum, dass sich die Silhouette des Höhleneingangs vom helleren Himmel abhebt. Fliegen die Fledermäuse aus, sieht man sie gut vor dem relativ hellen Himmel.
Möchte man die Rückkehr und vielleicht auch das Balzgeschehen beobachten, richtet man den Strahl der Lampe etwas unterhalb vom Höhleneingang auf den Baum, so dass die Tiere im Baum nicht zu stark gestört werden und man trotzdem noch etwas sieht. Nun brauchen Sie ein Kopfkissen, damit Sie auf den Rücken liegen können, oder starke Nackenmuskeln, denn das Schauspiel vom Ein- und Ausflug lässt einen lange nicht mehr los, und das Loch ist meistens einige Meter über Boden.

Abendseglerbäume suchen – gewusst wie!
An einem warmen Herbstabend gehen Sie eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang in einem Wald spazieren, in dem Sie früher Spechte rufen und hämmern hörten oder in dem Sie bereits Höhlenbäume inventarisierten. Nehmen Sie eine lichtstarke Taschenlampe mit, denn wenn Sie einen Baum mit Abendseglern finden, wird es bereits so dunkel sein, dass Sie das Ausflugloch kaum mehr sicher erkennen können. Spazieren Sie langsam umher, bleiben Sie auch immer wieder stehen und horchen Sie, ob in Intervallen einzelne Piepstöne oder gar lautes Gezeter zu vernehmen ist. Sobald Sie solche Töne hören, bleiben Sie stehen und versuchen Sie die Richtung herauszufinden. Nähern Sie sich ein Dutzend Meter und warten Sie, bis Sie wieder etwas hören. Wiederholen Sie dieses Vorgehen so lange, bis Sie den Baum gefunden haben. Nun suchen Sie mit der Taschenlampe das Ausflugloch und stellen sich dann so vor den Baum, dass Sie es am Rande der Baumsilhouette sehen. Plötzlich löst sich ein «Etwas» vom Höhleneingang, und selbst wenn es inzwischen finster geworden ist, werden Sie gegen den meist etwas helleren Himmel erkennen, dass es ein wegfliegender Abendsegler war. Innert weniger Minuten werden alle draussen sein. Sie tauchen zuerst etwas ab, spannen dann die Flügel auf und flattern fort.

 

Zwergfledermäuse und Rauhautfledermäuse

Das helle Licht der Strassenlampen zieht viele Insekten und damit auch Fledermäuse an. Die Jägerinnen sieht man am besten, wenn man den Arm ausstreckt und mit der Hand die blendende Lampe abdeckt. So kann man die beleuchteten Flattertiere gut bei ihrer Jagd beobachten. Meist können so Zwergfledermäuse oder Rauhautfledermäuse beobachtet werden. Den Ultraschalldetektor stellt man auf eine Empfangsfrequenz von 45 kHz ein – die Jagdrufe der Zwergfledermaus (70 kB; mp3-Format) sind laut und stimmhaft.
Wenn es windet, ziehen sich Insektenschwärme zurück in die relativ windstillen Baumtunnels, die am Waldrand, über Waldwegen und in Baumalleen von überhängenden Ästen gebildet werden. Deshalb haben hier die Fledermäuse bei Wind einen gut gedeckten Tisch und kommen hierher zum Jagen. Das Beobachten in diesen Baumtunnels funktioniert ganz ähnlich wie bei den Strassenlampen, nur muss man hier selber für die Beleuchtung sorgen. Eine Person geht ein paar Dutzend Meter in den Tunnel hinein, bleibt stehen und zündet dann mit einer starken Lampe leicht aufwärts in Richtung der Fledermausbeobachter/-innen. Mit der Hand decken diese das blendende Licht ab und gehen langsam auf die Lampe zu. Im beleuchteten Baumtunnel sehen sie wunderbar die Fledermäuse – oder wenigstens ihre Beute.

 

Jagende Wasserfledermäuse beobachten

Über Teichen, Seen und ruhig fliessenden Abschnitten von Flüssen mit Ufervegetation und über Kanälen kann man Wasserfledermäuse fast überall im Mittelland und bis hinauf ins Gebirge bei der Jagd beobachten.
Am besten kauert man sich direkt am Gewässerufer nieder und hält eine Taschenlampe knapp über dem Wasser parallel zur Wasseroberfläche. Nun leuchtet man ruhig auf die Wasserfläche hinaus, bis eine Wasserfledermaus den Lichtstrahl durchfliegt. Mit dem Lichtkegel kann man dem Tier gut folgen und es beim Jagdflug beobachten. Da Wasserfledermäuse helle Lichtkegel schnell meiden, sollte man aber nicht länger als eine Minute leuchten.
Wasserfledermäuse peilen ihre Beute mit frequenzmodulierten, breitbandigen und relativ leisen, knatternden Ultraschallrufen (88 kB; mp3-Format) an. Den Ultraschalldetektor stellt man auf eine Empfangsfrequenz von 40 kHz ein.
Jagt eine Wasserfledermaus in der Nähe, lassen sich dank dem Ultraschalldetektor deutlich die «Feeding-Buzzes» vernehmen. Diese entstehen wegen der enormen Steigerung der Repetitionsrate der Suchpeilrufe, sobald eine Wasserfledermaus ein Insekt entdeckt hat und es ansteuert. Der Peilruf ähnelt in der letzten Phase vor dem Zuschnappen einem Triller, eben «Feeding-Buzz» genannt, der aber viel schwächer ist als die vorangegangenen Suchpeilrufe. Deutlich lässt sich die Fangaktion im Lichtkegel immer dann beobachten, wenn die Beute von der Wasseroberfläche aufgenommen wird: Kreisrunde Wasserringe verraten den «Aufsetzplatz». Ist es unmittelbar danach für kurze Zeit still, war die Wasserfledermaus erfolgreich: sie kaut und schluckt nun – und «mit vollem Mund spricht man nicht»!

 

Quelle: Fledermäuse im Kanton Zürich beobachten – Anleitung zum Beobachten von Fledermäusen (Silvia Haugg, 2000).