Wald für Fledermäuse

 

Die UNO hat 2011 zum Internationalen Jahr des Waldes erklärt. Der Wald bietet uns Schutz, Holz, Arbeit und Erholung. Wälder binden CO2 und mildern so die Klimaerwärmung. Für unsere Fledermausfauna ist Wald von existenzieller Bedeutung: Wald bietet ihnen Nahrung, Verstecke und Orientierungsstrukturen. Als generelle Fördermassnahme braucht es mindestens 5 Spechthöhlenbäume pro Hektar Wald.

Verstecke, Jagdlebensraum, und Orientierungsstrukturen
Rund die Hälfte der einheimischen Fledermausarten nutzt Baumhöhlen als Verstecke oder zur Jungenaufzucht. Dafür eignen sich allem voran ehemalige Spechthöhlen. Aber auch Aufrisshöhlen, natürliche Baumhöhlen oder abstehende Baumrinde von Totholz bieten wichtige Versteckmöglichkeiten. Doch solche Quartiere sind rar, denn Bäume werden meist schon in einem Alter von 80-120 Jahren gefällt, in der Regel bevor Spechte ihre Höhlen zimmern und lange vor dem natürlichen Entstehen altersbedingter Baumhöhlen oder dem Absterben. Und junge Bäume mit Aufrisshöhlen werden ausgeforstet, da sie holzwirtschaftlich kaum von Nutzen sind.

Wald ist aber auch Jagdlebensraum für die meisten unserer 30 einheimischen Fledermausarten. Ein naturnah bewirtschafteter Wald liefert im Unterschied zum Offenland zuverlässig über das ganze Sommerhalbjahr hinweg Beutetiere.

Nicht zuletzt sind Fledermäuse auf Leitstrukturen angewiesen, die vom Versteck in den Jagdlebensraum führen. Bäume bilden dafür ideale Leitstrukturen: Fledermäuse können aufgrund der Echos ihrer Peilrufe erkennen, wo sie lang fliegen. Bäume bieten ihnen auf ihren Flugstrassen aber auch Schutz vor Feinden wie Greifvögel und Eulen. So hat man z. B. experimentell herausgefunden, dass Kleine Hufeisennasen bis eine halbe Stunde früher zur Jagd ausfliegen, wenn vom Dachstockquartier in einem Gebäude Leitstrukturen ins Jagdgebiet im Wald führen. Dies mag auf den ersten Blick wenig sein, kann aber entscheidend für den Fortpflanzungserfolg sein, denn 1. ist das Futterangebot in der Dämmerung am grössten und 2. sind die Nächte zur Zeit der Jungenaufzucht im Juni sehr kurz.


Allgemeine Massnahmen zur Förderung von Fledermäusen
Wald bietet Fledermäusen Nahrung, Verstecke und Orientierungsstrukturen. Um Fledermäuse im Wald zu fördern braucht es deshalb folgende, generelle Massnahmen:

Standortgerechte, einheimische Baumarten
• 10% der Waldfläche als naturbelassene Schutzgebiete (Naturwaldreservate)
• Vernetzung der Naturwaldreservate durch Altholzinseln
• Vernetzung isolierter Waldbestände
• 5 Spechthöhlenbäume pro Hektar Wald
• 5 Totholzbäume pro Hektar Wald
• Förderung von Auen- und Eichenwäldern
• Förderung von lichten Wäldern
• Förderung traditioneller Waldbauformen wie Mittelwald, Niederwald, Kastanienselven
• abgestufte, verzahnte, naturnahe Waldränder


Spezielle Aktionspläne für spezialisierte Fledermausarten
Einige Fledermausarten haben ganz spezifische Anforderungen an Wälder. Mit den oben aufgeführten generellen Massnahmen können sie nicht gefördert werden. Es braucht für diese Arten deshalb artspezifische Aktionspläne. So sind z. B. Grosse Mausohren wegen ihrer Jagdstrategie auf wüchsige Buchen-Hallenwälder mit geschlossenem Kronendach und wenig Unterwuchs angewiesen. Bechsteinfledermäuse hingegen benötigen Altholzeichenbestände, aber ebenfalls mit möglichst geschlossenen Kronendächern. Graue Langohren nutzen bevorzugt unterweidete Wälder als Jagdlebensräume. Oder Kleine Hufeisennasen sind auf unbeleuchtete Orientierungsstrukturen (z. B. Bäume) vom Versteck im Gebäude in den Jagdlebensraum im Wald angewiesen.


Typische Waldfledermäuse
Mit einer naturnahen Waldbewirtschaftung mit ausreichend Alt- und Totholz kann die Artenvielfalt von Waldfledermäusen erhalten und gefördert werden. Fledermäuse können gar wertvolle Indikatoren für den ökologischen Wert eines Waldes sein. Typische Waldfledermäuse, die von einer naturnahen Waldbewirtschaftung profitieren sind z. B. folgende Arten (in Klammern die jeweiligen Hauptnutzungsarten von Wald):

•    Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii; Verstecke, Jagdlebensraum,
     Orientierung)
Grosser Abendsegler (Nyctalus noctula; Verstecke, Jagdlebensraum,
     Orientierung)
Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri; Verstecke, Jagdlebensraum,
     Orientierung)
Braunes Langohr (Plecotus auritus; Verstecke, Jagdlebensraum,
     Orientierung)
•    Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus; Verstecke, Jagdlebensraum,
     Orientierung)
Grosses Mausohr (Myotis myotis; Jagdlebensraum, Orientierung)
Wasserfledermaus (Myotis daubentonii; Verstecke, Orientierung)
Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros; Jagdlebensraum,
     Orientierung)


Jeder kann etwas tun

Alle Massnahmen im Wald müssen in Absprache mit dem zuständigen Forstamt realisiert werden. Eine nachhaltige Waldnutzung und die Förderung von Waldfledermäusen sind oft kein Widerspruch. Die Stiftung Fledermausschutz vermittelt an regionale Fledermausschutz-Fachpersonen, die interessierte Förster und Waldbesitzer beraten.

Aber auch Nicht-Waldbesitzer und Nicht-Forstleute können eine naturnahe Waldbewirtschaftung fördern: Kaufen Sie z. B. FSC-Holz aus einheimischer Produktion. Setzen Sie sich in Ihrer Gemeinde für eine naturnahe Waldbewirtschaftung ein. Und nicht zuletzt: Vermitteln Sie Ihre Wertschätzung gegenüber einem naturnahen Wald an Ihr soziales Umfeld - denn nur was man kennt, kann man schützen!


Weitere Informationen zum „Jahr des Waldes“:
www.wald2011.ch
Bundesamt für Umwelt: Jahr des Waldes
www.waldwissen.net
www.totholz.ch
International Year of Forests