Holzschutzmittelliste

Holzschutzmittel können Fledermäuse gefährden.

 

 

 

 

 

 

 

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CCOLogo SSf hk 1

SCHWEIZERISCHE KOORDINATIONSSTELLE FÜR FLEDERMAUSSCHUTZ
CENTRE DE COORDINATION SUISSE POUR L’ETUDE ET LA PROTECTION DES CHAUVES-SOURIS
CENTRO SVIZZERO DI COORDINAMENTO PER LO STUDIO E LA PROTEZIONE DEI PIPISTRELLI

 

 

 

FLEDERMAUSVERTRÄGLICHE HOLZSCHUTZMITTEL

 

Version vom 18. Mai 2016

Holzschutzmittel werden beim Befall mit Pilzen und holzfressenden Insekten oder als vorbeugende Massnahme eingesetzt. Die Liste fledermausverträglicher Holzschutzmittel weist aktuell bekannte Holzschutzmittel aus, die bei sachgemässer Anwendung auch in Fledermausquartieren eingesetzt werden können.  

Empfohlen werden alle in der Anmeldestelle Chemikalien erfassten Mittel, die entweder im Tierversuch mit Fledermäusen als unbedenklich getestet wurden oder deren Zusammensetzung mit solchen Mitteln vergleichbar ist. Die Tests wurden in der Regel von Prof Dr. Ewald Kulzer, Tübingen, durchgeführt. Analogieschlüsse wurden in verdankenswerter Weise von Dr. Michel Blant, Koordinationsstelle West für Fledermausschutz, Genf, erarbeitet.

Grundsätzlich stellt jeder Einsatz von Giftmitteln kurz- oder längerfristig ein Risiko dar, auch wenn es nur in geringen Mengen verwendet wird. Aus diesem Grund wird empfohlen, dass in Fledermausquartieren von vom  Aussterben bedrohter Arten, jegliches Risiko für die anwesenden Tiere ausgeschlossen werden muss (Risiko 0).

Aufgrund der für die Holzschutzmittel angegebenen Wirkstoffe wurden folgende drei Risikogruppen erstellt:

1) Gruppe GRÜN: Enthält natürliche Produkte ohne aktive Giftstoffe (kein Gefahrensymbol)

2) Gruppe BLAU: Enthält Produkte, deren aktive Stoffe nach Anwendung bekanntlich keine Auswirkung auf Fledermäuse haben (stabile Zusammensetzungen, Borsalze).

3) Gruppe ROT: Produkte, die für Wirbeltiere aktive Gifstoffe enthalten. Im Labor oder in situ konnte jedoch gezeigt werden, dass die Anwendung dieser Produkte bei normaler Dosierung für gewisse Fledermausarten verträglich ist (Gefahrensymbol GHS08 Gesundheitsgefährdung und Gefahrensymbol GHS 07 Achtung).

Alle anderen Produkte sind im Falle einer Anwesenheit von Fledermäusen verboten(Gefährdungsrisiko bei geschützten Arten), namentlich auch solche, die mit anderen Gefahrensymbolen klassifiziert sind (GHS06, GHS05).


1. Gruppe GRÜN

Diese Produkte können bei Abwesenheit von Fledermäusen in jedem Fall angewendet werden. Diese Produkute sind auch zugelassen für Holzbehandlungen in Quartieren von vom Aussterben bedrohter Arten (Rhinolophus, Barbastella).

Firma

SZID N° und Registrierungsnr.

PRODUKTNAME
Gefahrensymbol
Gefahrenklasse H/P
(Gefahrenklasse R/S)

Wirkstoff

Bosshard + Co. AG

183367

ARBEZOL LIGNOSAN
Kein Gefahrensymbol

Silicate, pflanzliche Rohstoffe (enthält keine Giftstoffe)

En Matière Decoration, Delbecchi et Cie, 1227 Carouge (und andere Vertreter natürlicher Produkte)

 

GALTANE WOOD BLISS

Holz-Kristallisationsverfahren (enthält keine Giftstoffe)

Vertreiber natürlicher Produkte

 

Leinöl und ähnliche natürliche Imprägnierungsmittel

Pflanzliche Rohstoffe

OEKO-TEC AG; Anticimex AG und andere Firmen

 

Heissluftbehandlung (ThermoNox® oder andere)

Wärme

 

 

 

2. Gruppe BLAU

Diese Produkte werden v.a. zur vorbeugenden Behandlung eingesetzt (auch zur Vorbehandlung von Rohprodukten ab Werk). Die Produkte dürfen lokal in der Zeit der Abwesenheit der Fledermäuse im Quartier eingesetzt werden. Unter folgenden Bedingungen ist der Einsatz auch in Quartieren von vom Aussterben bedrohter Arten (Rhinolophus, Barbastella) zugelassen:

  • Vermeidung des Einsatzes direkt an den Hangplätzen (eventuell Abdeckung der Hangplätze mit unbehandeltem Rohholz)
  • Vermeidung des Einsatzes an den Ein- und Ausflugöffnungen

Firma

SZID N° und Reg.-Nr.

PRODUKTNAME
Gefahrensymbol GHS
Gefahrenklasse H/P
(Gefahrenklasse R/S)

Wirkstoff

BASF Wädenswil

1120099
CHZB1011

DIFFUSIT IC B
GHS08
H319, H360FD

Borsäure 150 mg/g
Dinatriumtetraborat-Decahydrat (Borax)
20 mg/g

BASF Wädenswil

115136
CHZB0399

DIFFUSIT HOLZBAU
GHS08
H319, H360FD

Borsäure 170 mg/g
Dinatriumtetraborat-Decahydrat (Borax)
22 mg/g

Chimibat Sarl,
Echandens

193171
CHZB2033

MERULIT PC ECOSOL
GHS05, GHS06, GHS09
H301, H314,H 315,H 400

Borsäure 160 mg/g
Dinatriumtetraborat-Decahydrat (Borax)
20 mg/g
4-Ammoniumverb.
10 mg/g

Zwimpfer Oster-mundigen

123943
CHZB2246

ADOLIT BOR FLÜSSIG A
GHS 07, 08
H315, H318, H360FD
(R20-22, R34)

Borsäure 634 mg/g

Zwimpfer Oster-mundigen

122905
CHZB1503

ADOLIT HOLZBAU B
GHS08
H360FD

Borsäure < 100 mg/g
Dinatriumtetraborat, wasserfrei < 100mg/g

Bosshard & Co. AG

201975
CHZB0296

ARBOSAN HB
GHS08
H360FD

Borsäure 170 mg/g
Dinatriumtetraborat-Decahydrat (Borax)
22 mg/g

Rüfenacht & Baumann, Täuffelen

108329
CHZB1396

AURO BORSALZ-Holz-
schutz-Imprägnierung
Kein Gefahrensymbol

Dinatriumoctaborat
500 mg/g

Dynasol GmbH,
Balsthal

120086
CHZB0401

Impralit-B1 flüssig
GHS08
H360FD

Borsäure 600 mg/g

 

 

3. Gruppe ROT


Diese Behandlungsprodukte sind für den Einsatz in Quartieren von vom Aussterben bedrohten und stark gefährdeten Arten nicht erlaubt (z. B. Rhinolophus, Barbastella). Sie sind grundsätzlich für grosse Fledermausarten (Myotis myotis, Nyctalus noctula, Eptesicus serotinus) verträglich, sind jedoch für kleine Fledermausarten (Plecotus, kleine Myotis-Arten, Pipistrellus) zweifelhaft.
Diese Produkte dürfen ausschliesslich in Abwesenheit der Fledermäuse eingesetzt werden bzw.  spätestens einen Monat vor deren Rückkehr, unter Berücksichtigung der im Kasten aufgeführten Bedingungen.

Wasserlösliche Produkte (Emulsionen) sind lösungsmittelhaltigen vorzuziehen. Produkte auf Basis von Lösungsmitteln müssen unter Hochdruck in das Holz eingespritzt werden, wobei auf eine Oberflächenbehandlung zu verzichten ist. Falls eine Oberflächenbehandlung notwendig ist, (mit Pinsel oder Schaumspritzer) darf diese nicht an den Hangplätzen erfolgen.
Es sollte sichergestellt werden, dass die quartierbewohnenden Kolonien mind. im ersten Jahr nach der Behandlung überwacht/kontrolliert werden.

 

Anwendungsbedingungen für Produkte der Gruppe ROT:

  • Bereiche, die als Hangplätze genutzt werden, dürfen nicht behandelt werden (Risiko des Konzentrationseffekts und der Aufnahme beim Putzen der Flughäute).
  • Das Besprühen von Räumen, die von Fledermäusen bewohnt werden, ist zu vermeiden.
  • Keine Behandlung von nicht-porösen Oberflächen, in welche das Holzschutzmittel nicht eindringen kann (Stein, Metall, beschichtetes PVC).

 


 

Firma

SZID N° und Registrierungs-nr.

PRODUKTNAME
Gefahrensymbol GHS
Gefahrenklasse H/P
(Gefahrenklasse R/S)

Wirkstoff

Feyco AG (Pentol)

260092
CHZB2074

AGRO PLUS GL
GHS08, GHS09
H304, H410
(R50-53, R65)

Permethrin < 12.5 mg/g

Bosshard + Co AG

193010
CHZB0311

ARBEZOL SPEZIAL
GHS08, GHS09
H304, H410
(R50-53, R65)

Permethrin 1.5 mg/g

Bosshard + Co AG

 

ARBEZOL AQUALIN UV-NATUR
GHS09
H302, H315, H317, H317, H318, H319, H331, H372, H400, H412

Enthält: 3-IOD-2-PROPINYLBUTYLCARBAMAT; 1,2-BENZISOTHIAZOL-3(2H)-ON

Bosshard + Co AG

 

ARBEZOL HYDROSOTIC
GHS09
H302, H312, H315, H317, H318, H319, H332, H400, H412

Enthält: 1,2-Benzisothiazol-3(2H)-ON; 1-(2-Butoxy-1-Methylethoxy)Propan-2-OL; Butylglykol

Böhme Liebefeld

113798
CHZB1017

LIGNOL AW-F
GHS08, GHS09
(R10, R50-53, R65, R66, R67)

Permethrin 3 mg/g

Chimibat Sarl, Echandens

214559
CHZB2037

PARAXYL IPC 55
GHS07, GHS08, GHS09
H302, H304, H317, H332, H410
(R10, R50-53, R65)

Permethrin 4.2 mg/g

Jordan Sion

118288
CHZB1241

SATEB 01
GHS08, GHS09
H304, H410
(R50-53, R65)

Permethrin 3.1 mg/g

Bosshard + Co. AG

284076
CHZB0882

XYLOSAN FORTE
GHS08, GHS09
H304, H410
(R50-53, R65)

Permethrin 1.5 mg/g

Bosshard + Co. AG

230570
CHZB0698

ARBOSAN INSECT
GHS05, GHS07, GHS09
H302, H317, H318, H410
(R22, R43, R50-53)

Permethrin 25 mg/g

Dynasol GmbH,
Balsthal

233643-91
CHZB0440

Impratec-ISK 11
GHS08, GHS09
H302, H317, H410
(R22, R43, R50-53)

Permethrin 25 mg/g

Dynasol GmbH,
Balsthal

234420-88
CHZB0482

Impratec-Sanol I
GHS07, GHS08, GHS09
H304, H332, H410
(R50-53, R65, R66)

Permethrin 25 mg/g

 


Grundregeln

  • Bei allen Arbeiten, die Fledermausverstecke betreffen, sollen bereits in der Planungsphase so früh wie möglich Fledermausschutz-Fachpersonen beigezogen werden. Dies gilt auch bei Ausbesserungsarbeiten am Dach oder am Gebälk, auch wenn sie nur klein sind.

  • Falls noch Fledermäuse anwesend sind (im Gebälk hängend, in Tagesschlaflethargie oder aktiv) darf das Holzschutzmittel nicht angewendet werden. In diesem Fall muss unverzüglich mit der Stiftung Fledermausschutz Tel. 044 254 26 80; www.fledermausschutz.ch, Kontakt aufgenommen werden.

  • Holzbehandlungen dürfen nur in Abwesenheit der Fledermäuse durchgeführt werden. In der Regel ist das die Zeit zwischen November und Februar. Vor der Anwendung eines Holzschutzmittels müssen die Stellen gründlich und sorgfältig auf die Anwesenheit von Fledermäusen hin kontrolliert werden. Bei Anwesenheit von Fledemäusen dürfen keine Behandlungen durchgeführt werden.

  • An uneinsehbaren Stellen (Spalten, Ritzen), in denen sich eventuell noch Fledermäuse befinden (in Tageschlaflethargie) soll kein Holzschutzmittel angewendet werden. Bei Bedarf müssen diese Spalten und Ritzen geschützt werden, um ein unkontrolliertes Eindringen des Holzschutzmittels zu vermeiden.

  • Keine Oberflächenbehandlung der Fledermaus-Hangplätze (nur Einspritzung der Holzbalken). Falls notwendig, müssen die Hangplätze mit unbehandelten Rohholzplanken abgedeckt werden.

  • Es muss nach der Behandlung mit einem Holzschutzmittel für eine gute Durchlüftung gesorgt werden:
    - während mind. 2 Wochen nach einer Behandlung mit wasserlöslichen Mitteln bzw.
    - während mind. 4 Wochen nach einer Behandlung mit Holzschutzmitteln auf der Basis von  
       Lösungsmittel.

  • Die Adressen der Kantonalen Fledermausschutz-Beauftragten, die in jedem Kanton mit Rat und Tat helfen können, erfahren Sie entweder auf unserer Homepage: www.fledermausschutz.ch/Schutz/Kantone.html oder über: Sekretariat Fledermausschutz 044 254 26 80 (Mo-Do 13.00-16.00 Uhr).

5. Erklärung der Gefahrensymbole und Gefahrenklassen

 

Gefahrensymbole gemäss GHS-Verordung (Globally harmonised system)
Siehe dazu: http://www.bag.admin.ch/themen/chemikalien/00249/12613/index.html?lang=de

               
Ätzend (GHS05)                                                                                    Hochgiftig (GHS06)
68



 

                                                                                                             

                                                                                             

Vorsichtig Gefährlich (GHS7)                                                                Gesundheitsschädigend (GHS08)
1012

 

 

 

 

 

 

Gewässergefährdend (GHS09)
14

 

 

 

 

 

                                                                             

Gefahrenklassen H (gemäss GHS-Verordnung): Im GHS-System treten anstelle der bisherigen R-Sätze und S-Sätze die so genannten H-Sätze (Hazard Statments = Gefahren-Sätze) und die P-Sätze (Precautionary Statmements = Präventions-Sätze oder Vorsorge-Sätze).
Sie dazu: http://www.reach-compliance.ch/ghsclp/index.html

H301 Giftig bei Verschlucken
H302 Gesundheitsschädlich bei Verschlucken
H304 Kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein
H312 Gesundheitsschädlich bei Hautkontakt
H314 Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden
H315 Verursacht Hautreizungen
H317 Kann allergische Hautreaktionen verursachen
H318 Verursacht schwere Augenschäden
H319 Verursacht schwere Augenreizung
H331 Giftig beim Einatmen
H332 Gesundheitsschädlich beim Einatmen
H360FD Kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Kind im Mutterleib schädigen
H372 Schädigt die Organe bei längerer oder wiederholter Exposition
H400 Sehr giftig für Wasserorganismen
H410 Sehr giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung
H412 Schädlich für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung

 

Gefahrenklassen R
à Diese Gefahrenstoffkennzeichnung wurde durch die GHS-Verordnung (siehe oben) ersetzt.
Siehe dazu: http://www.bag.admin.ch/themen/chemikalien/00531/00533/06009/index.html?lang=de

R10 Entzündlich
R21 Gesundheitsschädlich
R22 Gesundheitsschädlich
R34 Ätzend
R43 Reizend
R50/53 Umweltgefährlich
R65 Gesundheitsschädlich
R66 Wiederholter Kontakt kann zu spröder oder rissiger Haut führen
R67 Reizend