Hecken und Bäume


Fledermäuse brauchen Strukturen, um von ihrem Tagesschlafversteck ins Jagdgebiet zu gelangen. Solche Strukturen dienen einerseits dem Schutz vor Fressfeinden wie Eulen, vor allem benötigen sie Fledermäuse aber als Orientierungshilfen. Den Weg, den Fledermäuse diesen Strukturen entlang ins Jagdgebiet folgen, nennt man Flugkorridor.

Als Grundsatzregel gilt: Wo es keine Strukturen gibt, gibt es auch keine Fledermäuse. Hecken und Bäume können gleichzeitig sowohl als Flugkorridore als auch als Jagdlebensraum dienen und fördern so die Fledermausfauna in idealer Weise*. Eine wichtige Voraussetzung ist dabei, dass sie nicht beleuchtet sind.

Hecken und Bäume sind aber mehr als Fördermassnahmen für Fledermäuse:
- Sie bieten Lebensraum für viele andere Tierarten.
- Sie bieten uns Erholung und freuen das Auge.
- Sie erhöhen die Erträge angrenzender Landwirtschaftsflächen
- Sie sind Wind- und Erosionsschutz und filtern die Luft.
- Sie bieten Sichtschutz, Schatten und grenzen ab.

Achten Sie beim Anlegen von Hecken darauf, einheimische Gehölze zu verwenden. Geeignet für grosse Hecken sind z. B. Hasel, Wildapfel, Hundsrose, Schwarzer Holunder, Pfaffenhütchen, Vogelkirsche, Vogelbeere, Wildbirne, Berberitze, Heckenkirsche und Kornelkirsche.
Bei kleineren Hecken können z. B. Schwarzdorn, Apfelbeere, Brombeere, Felsenbirne, Erstbeere (Maibeere), Wolliger Schneeball, Sanddorn, Hartriegel oder Wildrosen angepflanzt werden.
Als Bäume geeignet sind die meisten Hochstammobstbäume (insbesondere Birnbäume), Weiden, Eichen, Linden, Rotbuche, Erlen, Espen und viele mehr.

In Abhängigkeit der vorhandenen Bodenstruktur müssen geeignete Pflanzen ausgesucht werden, denn nicht alle Pflanzen gedeihen überall. Lassen Sie sich im Fachhandel beraten. Bei speziellen Fledermaus fördernden Projekten helfen wir Ihnen gerne weiter.

*Beispiel: Kleine Hufeisennasen (Rhinolophus hipposideros) fliegen abends rund eine Viertelstunde früher auf die Jagd, wenn Ihnen eine Hecke als Flugkorridor vom Versteck ins Jagdgebiet angeboten wird. Der Effekt scheint auf den ersten Blick gering, doch über die ganze Saison hinweg gesehen, können die Hufeisennasen dadurch ihre Zeit auf der Jagd massiv erhöhen. Ihre Jungtiere werden vermutlich früher flügge und haben mehr Zeit, sich Fettreserven für die kalte und harte Winterzeit anzufressen, und somit grössere Chancen, diese zu überleben.
Quelle: Bontadina, Hotz, Märki. 2006. Die Kleine Hufeisennase im Aufwind. Ursachen der Bedrohung, Lebensraumansprüche und Förderung einer Fledermausart. Haupt Verlag, Bern. 80 S. ISBN 3-258-07088-1. erhältlich im SSF-Shop .