Brückenquartiere

 

Die Stiftung Fledermausschutz hat 2011 das "Jahr der Fledermaus" zum Anlass genommen, mit der Aktion "10 000 Fledermausverstecke an Brücken, Infrastrukturbauten und Werkhöfen" neue Quartiere zu schaffen.

Ersatz für Verluste von Gebäudequartieren
Rund die Hälfte unserer 30 einheimischen Fledermausarten versteckt sich tagsüber in Gebäudefassaden (Spalten, Hohlräume hinter Wandverschalungen, Rollladenkästen, Unterdach). Im Zusammenhang mit der Sanierung von Gebäudefassaden nach energetischen Gesichtspunkten werden solche Verstecke zerstört. In Neubauten mit energetisch optimaler Gebäudehülle stehen überhaupt keine solchen Verstecke mehr zur Verfügung. Diese Entwicklung läuft im grossen Umfang ab und ist eine ernsthafte Bedrohung für die einheimische Fledermausfauna.

Ersatz- und Fördermassnahmen an Wohnhäusern sind mit industriell vorgefertigten Elementen („Fledermauskästen“) realisierbar und nachweislich erfolgreich. Doch die Motivation der Hausbesitzer gestaltet sich oft schwierig und aufwändig. Es wird Verunreinigung durch Kot und Lärm durch abendliches Gezeter der Fledermäuse befürchtet.

Zur Problemlösung hat die SSF im Jahr der Fledermaus 2011 vorgeschlagen, Fördermassnahmen abseits von Wohnhäusern im grossen Umfang zu realisieren. Ideale Standorte dafür sind Brücken, Infrastrukturbauten, Werkhöfe und Industriebauten. Dort stören weder Gezeter noch die vernachlässigbar geringen Mengen Kot, die unter Umständen anfallen können.

Kantonsingenieure mit im Boot
2011 bat Hans-Peter Stutz, Geschäftsführer der Stiftung Fledermausschutz, die Kantonsingenieure zu prüfen, wo und in welchem Umfang sie solche Fördermassnahmen realisieren könnten, und stiess auf grosses Interesse.

So sind bisher in mind. 15 Kantonen über 100 Projekte realisiert worden. Neun Kantonsingenieure stehen in direktem Kontakt mit den Kantonalen Fledermausschutz-Beauftragten und in mind. 3 Kantonen werden bei Sanierungen bereits standardmässig Fördermassnahmen für Fledermäuse überprüft.

Individuelle Lösungen
Die Lösungen sind bisher meist individuell, d.h. der Kantonsingenieur bzw. der Planer kontaktiert den zuständigen Kantonalen Fledermausschutz-Beauftragten und nimmt dessen Beratung in Anspruch, die in der Regel mit einem Otstermin verbunden ist.

Für den Einsatz an Brücken kommen aber auch Standardelemente in Frage, die den Aufwand, den Einzellösungen generieren, reduzieren und so die Bereitschaft, neue Verstecke zu schaffen, erhöhen.

Obwohl die Zwischenbilanz insgesamt sehr erfreulich ist, müssen die Anstrengungen noch stark intensiviert werden, um das Ziel von 10'000 Fledermausverstecken zu erreichen. Interessierte Kantonsingenieure kontaktieren direkt die zuständigen Kantonalen Fleermausschutz-Beauftragten.