Langohren in Schaffhausen


Ein Langohr als Langohr zu identifizieren ist aufgrund der Ohrlängen einfach. Doch herauszufinden um welche der drei einheimischen Langohrenarten es sich genau handelt, ist eine Herausforderung, denn sie sind äusserlich kaum voneinander zu unterscheiden. Fangaktionen und die folgende Bestimmung durch Vermessung können Aufschluss geben, doch diese sind aufwendig. Alternativ bietet sich die genetische Bestimmung von Kot-Chegeli an. Im Kanton Schaffhausen entstand im Rahmen eines Projektes ein ganz neues Bild der Verbreitung zweier Langohrarten.

 

 

 

 

Um artspezifische und standortgerechte Schutzmasnahmen für stark bedrohte Fledermausarten ergreifen zu können, sind Kenntnisse über deren Verbreitung eine unerlässliche Basis. Doch gerade bei Langohren fehlen diese vielerorts, so auch im Im Kanton Schaffhausen. Es ist jedoch bekannt, dass hier zwei Langohrarten vorkommen: das Braune und das Graue Langohr (Plecotus auritus und P. austriacus). Beide Arten nutzen ungestörte Estriche als Quartiere für Schwangerschaft, Geburt und Aufzucht der Jungtiere. Doch meist verstecken sie sich im Gebälk und selbst wenn man sie in den Estrichen einmal zu Gesicht bekommt, ist es aufgrund der Sichtung äusserst schwierig, die Art korrekt zu bestimmen und so weiss man zwar, dass Langohren im Kanton Schaffhausen verbreitet vorkommen, doch Kenntnisse über die genaue Artzugehörigkeit fehlen meist.

Glücklicherweise lassen die Tiere in den Dachstöcken aber ab und zu etwas fallen: kleine reiskorngrosse Kot-Chegeli, und diese können eingesammelt und mit genetischen Methoden auf die Artzugehörigkeit hin untersucht werden. Im Rahmen eines durch den Kanton Schaffhausen unterstützten Fledermausschutz-Projektes konnten so die Kot-Chegeli aus 12 Langohrquartieren jeweils einer der beiden Arten zugeordnet werden. Die Ergebnisse lassen aufhorchen, denn das sehr seltene und vom Aussterben bedrohte Graue Langohr scheint im Kanton Schaffhausen noch verbreitet vorzukommen.

Noch ist die Art in vielen Quartieren unbestimmt, doch die Karte zeigt, dass vor allem in den Wärmeoasen im Klettgau und im Reiat das Graue Langohr verbreitet anzutreffen ist. Demgegenüber scheint in den Randentälern mit rauherem Klima das Braune Langohr verbreiteter zu sein. Allerdings ist die Stichprobe derzeit noch zu klein, um wirklich verlässliche Aussagen zum Verbreitungsgebiet der beiden Arten zu machen. Die beiden Arten können durchaus auch innerhalb des gleichen Gebietes vorkommen, wie ein Beispiel Merishausen zeigt (überlappender roter und grauer Punkt auf Karte). Aufgrund ihrer Lebensweise wird vermutet, dass Braune Langohren im Kanton Schaffhausen flächendeckend vorkommen, mit Verbreitungsschwerpunkt in den Wäldern. Das Graue Langohr hingegen ist stärker an den Siedlungsraum gebunden, scheint wärmeliebender und auf reich strukturierte Landwirtschaftsgebiete wie Obstplantagen als Jagdlebensraum angewiesen.

Basierend auf diesen spannenden ersten Ergebnissen werden in weiteren Langohr-Quartieren Kot-Chegeli gesammelt und analysiert werden und so das Verbreitungskarte der beiden Arten vervollständigt. Dadurch wird es möglich, standortspezifische Schutz- und Fördermassnahmen zu formulieren und umzusetzen - in erster Priorität für das vom Aussterben bedrohte Graue Langohr.

weitere Informationen: www.flädermüüs.ch, Hansueli Alder, Kantonaler Fledermauschutz-Beauftragter Schaffhausen