Ein gewaltiges Jubiläum in Fläsch GR

25 Jahre erfolgreiche Quartierbetreuung der Mausohrwochenstube: Am Montag, 28.06.2010 zeichnete die Binding Stiftung Schaan zusammen mit der Stiftung Fledermausschutz den Quartierbetreuer Lorenz Göddemeyer für seine ehrenamtliche Glanzleistung mit folgenden Worten aus: Die Binding Stiftung Schaan und die Stiftung zum Schutze unserer Fledermäuse in der Schweiz erneuern die Infrarot-Videoüberwachungsanlage der Mausohr-Fledermauskolonie im Kirchturm von Fläsch / GR anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums der Quartierbetreuertätigkeit von Lorenz Göddemeyer, Landquart, in Würdigung seines grossen Engagements für die grösste Schweizer Wochenstubenkolonie der Mausohrfledermäuse (Myotis myotis und M. blythii).
Infrarotüberwachungsanlage in Fläsch GR
von links nach rechts: Urs Kunz, Gemeindepräsident Fläsch; Lorenz Göddemeyer, Jubilar 25 Jahre Quartierbetreuung Fläsch; Claudio Lardi, Regierungspräsident Graubünden; Hans-Peter B. Stutz, Geschäftsführer Stiftung Fledermausschutz


Es gelang Lorenz Göddemeyer, anlässlich seiner Exkursionen und bei Vortragsreihen mit grossem Fachwissen und als humorvoller Referent, über all die Jahre hinweg unzählige Kinder, Jugendliche und Erwachsene für die Welt der Fledermäuse zu begeistern und damit für den dringend notwendigen Schutz der stark bedrohten Fledermäuse nachhaltig zu werben.

Mausohren sind die typischen Kirchenfledermäuse: in Gruppen hängen sie am Tag kopfüber am Gebälk grosser und ruhiger Dachstöcke und haben hier in den vergangenen Wochen ihre Jungen zur Welt gebracht. Die grösste Schweizer Wochenstubenkolonie – mehr als 1'500 Mütter mit ihren Jungen – versteckt sich am Tag im Turmhelm der Kirche von Fläsch GR. Die Entwicklung dieser Mausohrkolonie wird gemäss den schweizerischen Standardvorgaben der Stiftung Fledermausschutz überwacht. Mausohren gelten als stark bedroht und sind darum bundesrechtlich geschützt. Leider existieren heute in der Schweiz von den einst zigtausenden Wochenstuben nur noch rund 100, und diese beherbergen meist weitaus weniger als 300 Tiere. Im vergangenen Jahrhundert wurden Mausohren aus Aberglauben ausgeräuchert und erschlagen, in den 40er bis 70er Jahren haben ihnen Umweltgifte und die intensivierte Landwirtschaft die Nahrungsbasis geschmälert, und Renovationen haben sie aus den Dachstöcken verbannt. Das Blatt hat sich in den 80er Jahren mit Beginn der landesweiten Schutzbemühungen zu wenden begonnen, als man konsequent jede Mausohrkolonie standardisiert unter Überwachung stellte. Dabei geht es nicht nur um das Monitoring der Kolonieentwicklung, sonder auch um eine intensive Öffentlichkeitsarbeit und die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinde- und Kirchenbehörden. Ganz besonders im Falle einer Kirchenrenovation wirken sich diese intensiven Vorarbeiten positiv aus. Die Fledermäuse sind in der Lokalbevölkerung allgemein bekannt und bei den Behörden akzeptiert, ihre Gewohnheiten sind erforscht und darum können die Bedürfnisse der Fledermäuse bei den Bauarbeiten berücksichtigt werden. Renovationen bedeuteten früher das Ende für eine Mausohrkolonie – seit der konsequenten Quartierbetreuung ist das Überleben der Mausohren nachhaltig gesichert.

Lorenz Göddemeyer ist einer von 65 Quartierbetreuern der Stiftung Fledermausschutz in der Deutschschweiz. Mit unzähligen Vorträgen, Exkursionen und humorvoll kommentierten abendlichen Ausflugbeobachtung hat er „seine Mausohren“ weit über Fläsch hinaus bekannt gemacht und um Sympathie für diese heimlichen Kirchengängerinnen geworben. Seit einigen Jahren überträgt eine Infrarot-Überwachungskamera Bilder aus der Kolonie für die Passanten auf einen Monitor am Strassenrand. Diese Anlage ist nun in die Jahre gekommen. Anlässlich des 25-Jahre-Jubiläums als Quartierbetreuer der Fläscher Mausohrkolonie würdigen die Bindung Stiftung Schaan und die Stiftung Fledermausschutz das Engagement von Lorenz Göddemey mit der Übergabe einer neuen Infrarot-Überwachungskamera.

Die sensationellen Bilder können von Passanten auf Knopfdruck am Fusse des Kirchturmes auf einen Monitor live aufgeschaltet werden. Ganz besonders für Schulklassen und Touristen der Bündner Herrschaft dürfte diese einmalige Attraktion eine Reise nach Fläsch wert sein.

Rund 65 geladene Gäste bestaunen die neue Anlage
Über 60 geladene Gäste nahmen bei herrlichem Wetter am feierlichen Anlass in Fläsch teil.


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