Wasserfledermaus - Jägerin über stillen Wassern


Jahreszyklus
Die Wasserfledermaus ist eine unserer mittelgrossen einheimischen Fledermausarten. Sie wiegt etwa 10 g und hat eine Spannweite von rund 27 cm.

Wasserfledermäuse paaren sich im Herbst, aber auch im Winterschlafquartier. Die Jungen kommen im nächsten Sommer zur Welt.

Ab Mai versammeln sich die Weibchen zur Jungenaufzucht in den Fortpflanzungsunterschlüpfen. Meist sind es 20-50 erwachsene Weibchen, in Ausnahmefällen können es auch einige Hundert Tiere sein. Die Männchen verbringen den Sommer in separaten Gruppen.
Die Weibchen gebären im Juni nur je ein einziges, zwei Gramm schweres Junges. Nach etwa vier Wochen Säugezeit ist das Junge flugfähig und damit selbständig. Die Wochenstubenkolonien lösen sich ab August, zu Beginn der Paarungszeit, wieder auf.

Unmengen an Insekten
Wasserfledermäuse fliegen von ihren Tagesschlafquartieren bis in ihre Jagdgebiete meist ein bis zwei Kilometer, in Ausnahmefällen bis zu fünf Kilometer. Dabei überqueren sie selten offenes Gelände, sondern sie folgen Strukturen wie Waldrändern, Hecken und Gewässerufern.

Jagdgebiete der Wasserfledermäuse sind stehende und langsam fliessende Gewässer. Hier jagen sie im schnellen und wendigen Tiefflug knapp über der ruhigen Wasseroberfläche nach Beutetieren.
Hauptsächlich werden kleine Insekten, wie Mücken, Schnaken oder Fliegen erbeutet. Die Beute­tiere werden meist direkt von der Wasseroberfläche weg gefangen. Oft benutzen die Wasserfledermäuse dazu ihre grossen Füsse oder die Schwanzflughaut.
Beobachtungen des Jagdverhaltens ergaben, dass eine Wasserfledermaus durchschnittlich alle vier Sekunden ein Insekt anpeilt. Pro Nacht und Wasserfledermaus sind das bei 50% Fangerfolg 2'000 oder mehr gefangene Insekten.

Häufiger Umzug
Für ihre Tagesruhe nutzen Wasserfledermäuse ganz unterschiedliche Quartiere. Am häufigsten verstecken sie sich in Baumhöhlen. Dabei besiedeln sie leer stehende Spechthöhlen in alten Bäumen, aber auch spaltförmige Aufrisshöhlen in relativ jungen und dünnen Bäumen sowie Fledermauskästen. Seltener findet man ihre Verstecke in Dachstöcken.

Für den Winterschlaf und manchmal auch tagsüber im Sommer verstecken sie sich ausserdem in Mauerspalten und in unterirdischen Hohlräumen – etwa in eingedohlten Bächen, in Stollen und in Felshöhlen.
Wasserfledermäuse wechseln ihre Quartiere häufig. Oft bewirken Wetterwechsel und vielleicht auch Parasiten den Umzug. Zur herbstlichen Wanderzeit kann es vorübergehend zu grossen Ansammlungen in unterirdischen Quartieren kommen.

Auf der Jagd beobachten
Wasserfledermäuse kann man nachts über Teichen, Seen und ruhig fliessenden Abschnitten von Flüssen und Kanälen fast überall auf ihrer Jagd nach Insekten beobachten.

Kauern Sie sich direkt am Gewässerufer nieder und halten eine Taschenlampe knapp über das Wasser. Leuchten Sie ruhig über die Wasseroberfläche hinaus, bis eine Wasserfledermaus den Lichtstrahl durchfliegt. Mit dem Lichtkegel kann man dem Tier gut folgen und es beim Jagdflug beobachten. Da Wasserfledermäuse helle Lichtkegel schnell meiden, sollten Sie nicht länger als eine Minute auf einmal leuchten.
Mit einem Fledermaus-Detektor, können Sie die Ultraschalllaute der jagenden Wasserfledermäuse hörbar machen. Stellt man diesen auf eine Empfangsfrequenz von 40kHz, hört man die knatternden Peilsignale aus dem Lautsprecher.
Im Lichtkegel lassen sich die Beutefangaktionen deutlich beobachten. Kreisrunde Wasserringe verraten den «Aufsetzplatz»: Dort hat die Fledermaus mit den Füssen oder der Schwanzflughaut ihre Beute von der Wasseroberfläche aufgenommen.

Hilfe für Wasserfledermäuse
Wasserfledermäuse brauchen vor allem Baumhöhlen als Verstecke. In einem Wald sollen deshalb immer mehrere Bäume mit Höhlen vorhanden sein. Geht ein Höhlenbaum verloren, muss Ersatz bereit stehen. Privatpersonen können Förster und Waldbesitzer auf Bäume mit Höhlen aufmerksam machen. Höhlenbäume werden in Absprache mit dem Forstdienst gekennzeichnet. Als kurzfristige Ersatzmassnahme können Fledermauskästen im Wald aufgehängt werden.
Auf dem Weg ins Jagdgebiet meiden Wasserfledermäuse offene Flächen. Sie fliegen entlang von Strukturen. Waldränder und Gewässer sollten daher durch Hecken, Baumgruppen, Obstgärten und Bachufergehölze vernetzt sein.

Möchten Sie Wasserfledermäuse fördern? Die Stiftung Fledermausschutz gibt Auskunft und vermittelt an kompetente Fachpersonen in Ihrer Region.