Rote Liste der Fledermausarten der Schweiz


Viele Fledermausarten sind bedroht und sämtliche Arten in der Schweiz aus diesem Grunde geschützt. Die Ursachen für den Rückgang sind vielfältig: Lebensraumverlust, Insektizide und Pestizide sowie die Zerstörung von Fledermausquartieren sind nur einige Faktoren, die dazu geführt haben. Dementsprechend sind viele Fledermausarten gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht.
Rote Listen werden vom Bund erstellt und geben Auskunft darüber, wie stark die verschiedenen einheimischen Arten gefährdet sind und zeigen auf, für welche Arten dringliche Massnahmen für einen wirksamen Schutz getroffen werden müssen. Mit Hilfe der Roten Listen können auch Standorte und Landschaftstypen ausgeschieden werden, die es zu schützen gilt, weil sie wichtige Lebensräume für bedrohte Arten bieten. Wissenschaftliche Verfahren garantieren eine verlässliche Bewertung über Gefährdung und Nicht-Gefährdung der Arten.
Sie können die Rote Liste der einheimischen Fledermäuse auch als pdf downloaden. Die vollständige Publikation finden Sie auf der Website des BAFU.

Artname deutsch Artname lateinisch Gefährdungskategorie
Grosse Hufeisennase Rhinolophus ferrumequinum (Schreber, 1774) CR
Kleine Hufeisennase Rhinolophus hipposideros (Bechstein, 1800) EN
Mittelmeer Hufeisennase Rhinolophus euryale Blasius, 1853 DD
Bartfledermaus Myotis mystacinus (Kuhl, 1817) LC
Brandtfledermaus Myotis brandtii (Eversmann, 1845) VU
Wimperfledermaus Myotis emarginatus (E. Geoffroy, 1806) EN
Fransenfledermaus Myotis nattereri (Kuhl, 1817) NT
Bechsteinfledermaus Myotis bechsteinii (Kuhl, 1817) VU
Grosses Mausohr Myotis myotis (Borkhausen, 1797) VU
Kleines Mausohr Myotis blythii (Tomes, 1857) CR
Wasserfledermaus Myotis daubentonii (Kuhl, 1817) NT
Langfussfledermaus Myotis capaccinii (Bonaparte, 1837) DD
Nymphenfledermaus Myotis alcathoe von Helversen & Heller, 2001 DD
Zwergfledermaus Pipistrellus pipistrellus (Schreber, 1774) LC
Rauhautfledermaus Pipistrellus nathusii (Keyserling & Blasius, 1839) LC
Weissrandfledermaus Pipistrellus kuhlii (Kuhl, 1817) LC
Mückenfledermaus Pipistrellus pygmaeus (Leach, 1825) NT
Kleiner Abendsegler Nyctalus leisleri (Kuhl, 1817) NT
Grosser Abendsegler Nyctalus noctula (Schreber, 1774) NT
Riesenabendsegler Nyctalus lasiopterus (Schreber, 1780) DD
Nordfledermaus Eptesicus nilssonii (Keyserling & Blasius, 1839) VU
Breitflügelfledermaus Eptesicus serotinus (Schreber, 1774) VU
Alpenfledermaus Hypsugo savii (Bonaparte, 1837) NT
Zweifarbenfledermaus Vespertilio murinus Linnaeus, 1758 VU
Mopsfledermaus Barbastella barbastellus (Schreber, 1774) EN
Braunes Langohr Plecotus auritus (Linnaeus, 1758) VU
Graues Langohr Plecotus austriacus (Fischer, 1829) CR
Alpenlangohr Plecotus macrobullaris Kuzyakin, 1965 EN
Langflügelfledermaus Miniopterus schreibersii (Kuhl, 1817) EN
Bulldoggfledermaus Tadarida teniotis (Rafinesque, 1814) NT
 

Gefährdungsgrade:
Als Rote Liste Arten werden alle Arten der Kategorien RE (in der Schweiz ausgestorben), CR (vom Aussterben bedroht), EN (stark gefährdet) und VU (verletzlich) zusammengefasst. Die Kategorie NT (potenziell gefährdet) steht zwischen der eigentlichen Roten Liste und der Liste der nicht gefährdeten Arten (LC – nicht gefährdet). In der aktuellen Roten Liste der Fledermausarten (Ausgabe 2013) konnten 26 von 30 Arten hinsichtlich ihres Gefährdungsgrades beurteilt werden. Bei der Einschätzung wurden die Kriterien der IUCN (2001) verwendet. Weitere Informationen beim BAFU (Bundesamt für Umwelt) – Rote Listen.

Arten der Kategorien „in der Schweiz ausgestorben“ (0 Fledermausarten), „vom Aussterben bedroht“ (3), „stark gefährdet“ (5) und „verletzlich“ (7) gelten als Rote-Liste-Arten. 15 (58%) von 26 beurteilten, einheimischen Fledermausarten stehen somit auf der Roten Liste. 7 weitere Arten sind „potenziell gefährdet“ und nur 4 Arten gelten als „nicht gefährdet“. 4 der 30 einheimischen Fledermausarten konnten aufgrund ungenügender Datengrundlage nicht beurteilt werden.

RE (Regionally Extinct): regional, bzw. in der Schweiz ausgestorben (0 Fledermausarten)
Ein Taxon gilt als regional bzw. in der Schweiz ausgestorben, wenn kein begründeter Zweifel vorhanden ist, dass das letzte zur Fortpflanzung fähige Individuum aus dem Land bzw. dem zu beurteilenden Raum verschwunden ist. Die Untersuchungen sollten innerhalb eines dem Lebenszyklus und der Lebensform angepassten Zeitrahmens durch¬geführt werden.

CR (Critically Endangered): vom Aussterben bedroht (3 Fledermausarten)
Ein Taxon ist vom Aussterben bedroht, wenn gemäss den besten verfügbaren Datengrundlagen ein extrem hohes Risiko besteht, dass das Taxon in unmittelbarer Zukunft in der Natur ausstirbt.

EN (Endangered): stark gefährdet (5 Fledermausarten)
Ein Taxon ist stark gefährdet, wenn gemäss den besten verfügbaren Datengrundlagen ein sehr hohes Risiko besteht, dass das Taxon in unmittelbarer Zukunft in der Natur ausstirbt.

VU (Vulnerable): verletzlich (7 Fledermausarten)
Ein Taxon ist verletzlich (Synonym: gefährdet), wenn gemäss den besten verfügbaren Datengrundlagen ein hohes Risiko besteht, dass das Taxon in unmittelbarer Zukunft in der Natur ausstirbt.

NT (Near Threatened): potenziell gefährdet (7 Fledermausarten)
Ein Taxon ist potenziell gefährdet, wenn es beurteilt wurde, aber zurzeit die Kriterien für vom Aussterben bedroht, stark gefährdet oder verletzlich nicht erfüllt, aber nahe bei den Limiten für eine Einstufung in eine Gefährdungskategorie liegt oder die Limite wahrscheinlich in naher Zukunft überschreitet.

LC (Least Concern): nicht gefährdet (4 Fledermausarten)
Ein Taxon ist nicht gefährdet, wenn es beurteilt wurde und nicht in die Kategorien vom Aussterben bedroht, stark gefährdet, verletzlich oder potenziell gefährdet eingestuft wurde. Weit verbreitete und häufige Taxa werden in diese Kategorie eingestuft.

DD (Data Deficient): ungenügende Datengrundlage (4 Fledermausarten)
Ein Taxon wird in die Kategorie ungenügende Datengrundlage aufgenommen, wenn die vorhandenen Informationen nicht ausreichen, um auf der Basis seiner Verbreitung und/oder seiner Bestandessituation eine direkte oder indirekte Beurteilung des Aussterberisikos vorzunehmen. Ein Taxon in dieser Kategorie kann gut untersucht und seine Biologie gut bekannt sein, aber geeignete Daten über die Häufigkeit seines Vorkommens und/oder über seine Verbreitung fehlen. Die Kategorie DD ist deshalb keine Gefährdungskategorie. Die Aufnahme von Taxa in dieser Kategorie weist darauf hin, dass mehr Information nötig ist, und anerkennt die Möglichkeit, dass aufgrund zukünftiger Forschung eine Einstufung in eine Gefährdungskategorie angebracht ist. Es ist wichtig, alle verfügbaren Daten zu berücksichtigen. In vielen Fällen sollte die Wahl zwischen DD und einer Einstufung in eine Gefährdungskategorie sehr sorgfältig erfolgen. Wenn vermutet wird, dass das Verbreitungsgebiet eines Taxons relativ gut abgegrenzt werden kann, und wenn eine beachtliche Zeit seit dem letzten Nachweis verstrichen ist, könnte eine Einstufung in eine Gefährdungskategorie gerechtfertigt sein. Alle bewerteten Arten zusammen mit den Arten mit ungenügender Datengrundlage (DD) ergibt die Anzahl bekannter einheimischer Arten.

NE (not evaluated): nicht beurteilt (0 Fledermausarten)
Arten, für die keine Evaluation gemäss den Kriterien durchgeführt wurde, wegen taxonomischen Unklarheiten. In einem weiteren Sinne können auch diejenige dazugezählt werden, die sich im Beurteilungsgebiet nicht fortpflanzen (Wanderarten, z. B. durchziehende Vogelarten) oder gebietsfremd (Neobiota) sind.

Quelle:
Bohnenstengel T., Krättli H., Obrist M.K., Bontadina F., Jaberg C., Ruedi M., Moeschler P. (2014): Rote Liste Fledermäuse. Gefährdete Arten der Schweiz, Stand 2011. Bundesamt für Umwelt, Bern; Centre de Coordination Ouest pour l’étude et la protection des chauves-souris, Genève; Koordinationsstelle Ost für Fledermausschutz, Zürich; Schweizer Zentrum für die Kartografie der Fauna, Neuenburg; Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Birmensdorf. Umwelt-Vollzug Nr. 1412: 95 S.