Rauhautfledermaus - Ein Wintergast aus dem Nordosten


Von August bis März in der Schweiz
Eine Rauhautfledermaus wiegt selten mehr als neun Gramm. Sie sieht ihren Verwandten, der Zwerg-
fledermaus und der Mückenfledermaus, zum Verwechseln ähnlich und gehört zu den kleinsten unserer
30 einheimischen Fledermausarten.

Rauhautfledermäuse erscheinen bei uns ab Mitte August in grosser Zahl. Viele von ihnen kommen aus dem Baltikum oder aus Nordostdeutschland. Diese kleinen Säugetiere haben Wanderflugstrecken von 500 bis über 1'000 Kilometer zurückgelegt.

Im September und Oktober balzen die Männche um die Gunst der Weibchen. Mit Zirplauten, die auch für uns Menschen gut hörbar sind, versuchen sie, Weibchen für die Paarung anzulocken. Sie rufen nicht nur aus ihren Verstecken, sondern auch während der auffälligen Balzflüge vor dem Quartier. Ab Ende Oktober beginnt der Winterschlaf. Er kann bis in den März dauern. Dann ziehen die Weibchen wieder nordwärts, um dort ihre Junge zu gebären.

Wintergäste in Scheiterbeigen
Rauhautfledermäuse sind bei uns typische Wintergäste. Sie werden häufig in Winterschlafverstecken im Siedlungsraum angetroffen. Im Vergleich zu ländlichen Gegenden herrscht in Städten ein etwas milderes Winterklima. Rauhautfledermäuse müssen hier weniger Frostnächte überstehen, was ihre Überlebenschance erhöht.

Rauhautfledermäuse zwängen sich für den Winterschlaf gerne in alle nur erdenklichen Hohlräume und Ritzen. Meist sind es enge Spalten an Gebäudefassaden (z.B. Wandtäfer), unter Blumenkisten, hinter Balkonverschalungen und bei älteren Häusern oft in Ritzen zwischen Mauerverputz und Vorfensterrahmen. Man findet sie aber auch in Baumhöhlen und unter der rissigen Borke alter Bäume.
Eine ganz besondere Vorliebe scheinen Rauhautfledermäuse jedoch für Scheiterbeigen zu haben. Manchmal sind es auch Ritzen und Spalten in Brettstapeln von Schreinereien oder in Asthaufen, in denen sie den Winter verschlafen.

Im Patrouillenflug auf Insektenjagd
Rauhautfledermäuse verlassen ihr Tagesschlafversteck in der späten Dämmerung. Sie fliegen langsa-mer als die Zwergfledermäuse und jagen seltener im Zickzackflug auf kleinstem Raum. Häufig patrouillieren sie im geradlinigen Flug entlang von Wald rändern, Hecken, Baumalleen oder Ufergehölzen.

Rauhautfledermäuse fressen hauptsächlich kleine, schwärmende Insektenarten. Dazu gehören verschiedene Mücken, Fliegen und Falter. Da diese vorheftigem Wind Schutz suchen, ändern auch die Rauhautfledermäuse bei solcher Witterung ihre Jagdgebiete. Man trifft sie dann im Windschatten der Bäume, nahe am Boden oder knapp über der Wasseroberfläche von Weihern und auch in windgeschützten Hinterhöfen in Siedlungen an.
Weisses Strassenlampenlicht lockt wegen seines hohen UV-Anteils viele Insekten an. Diese werden von Rauhautfledermäusen gerne im Vorbeiflug von der Lampe weggeschnappt.

Winterschläfer sind hilflos!
Im Winterschlaf verlangsamen Fledermäuse ihren Stoffwechsel, um den kalten und insektenarmen Winter überdauern zu können. In tiefer Winterschlaflethargie sind sie aber hilflos!

Das Fledermausherz schlägt im Winterschlaf nur noch wenige Male pro Minute. Die Atmung wird auf wenige Atemzüge pro Stunde reduziert und die Körpertemperatur sinkt auf die Umgebungstemperatur ab. Der Energieverbrauch wird damit auf ein Minimum reduziert.
Sinkt die Umgebungstemperatur unter den Nullpunkt und dauert der Frost zu lange, weckt ein Alarmmechanismus die Fledermaus auf. Sie muss sich schnellstens einen günstigeren Unterschlupf suchen, sonst übernutzt sie ihre Energiereserven.
In tiefer Winterschlaflethargie sind Rauhautfledermäuse steif und klamm. Sie wirken, als ob sie tot wären. Es kann eine halbe Stunde dauern, bis sie mit Muskelzittern ihren Körper soweit aufgeheizt haben, dass sie wegfliegen können. Ganz klar, dass sie sich darum in sicheren Ritzen verkriechen.

Richtig reagieren - Unterschlüpfe schaffen
Rauhautfledermäuse verschlafen den Winter gerne in Brennholzstapeln. Wird die Scheiterbeige gegen Winterende aufgebraucht, werden mit den letzten Holzscheiten oft schlafende Fle-dermäuse mit in die Wohnung getragen. Dort erwachen sie und flattern unvermittelt herum! Solche Tiere brauchen schnell Hilfe. Das Fledermausschutz-Nottelefon hilft weiter: 079 330 60 60.

Für Rauhautfledermäuse können Winterschlafquartiere einfach geschaffen werden. Sie bevorzugen von Wind und Regen geschützte Scheiterbeigen an Hausfassaden oder unter Treppen-aufgängen. Der Holzvorrat darf in einem Winter auf keinen Fall vollständig abgetragen werden; die Tiere sollten sich also immer in einer «Restbeige» zurückziehen können. Kommt beim Holzabtragen trotzdem eine Rauhautfledermaus zum Vorschein, kann man sie einfach zwischen die Scheite der «Restbeige» legen und weiterschlafen lassen (Fledermäuse mit Handschuhen anfassen).