Abendsegler - Jäger im freien Luftraum


Schnelle Jäger
Abendsegler haben lange und spitze Flügel, die sie zu schnellem Flug befähigen. Grosse Abendsegler erreichen Spitzengeschwindigkeiten von über 50 km/h.

Bereits bei Sonnenuntergang verlassen Abendsegler ihr Tagesschlafversteck. Man kann sie oft in Gruppen von einem Dutzend Tieren und mehr am Himmel bei der Insektenjagd beobachten. Abendsegler jagen meist hoch im freien Luftraum in Gebieten mit grosser Insektendichte. Typische Jagdgebiete sind Flusslandschaften, Feuchtgebiete und Waldränder.

Grosse und Kleine Abendsegler jagen oft Köcherfliegen, Zuckmücken und andere schwärmende Kleininsekten. Mit ihrem kräftigen Gebiss können sie aber auch grosse Beutetiere wie Maikäfer und Falter fressen. Der Riesenabendsegler kann zur Zeit des Vogelzugs sogar kleine Singvögel fangen. Nach etwa einstündiger Insektenjagd in der Abenddämmerung sind Abendsegler meist satt und kehren in ihr Versteck zurück. In der Morgendämmerung erscheinen sie zum zweiten Jagdflug.

Typische Baumhöhlenbewohner
Abendsegler verstecken sich tagsüber oft in verlassenen Spechthöhlen. Bäume mit Höhlen sind aber selten. Abendsegler weichen darum oft in Fassadenspalten hoher Gebäude, wie z. B. in Rollladenkasten aus, was zu Konflikten mit den Hausbewohnenden führen kann.
Viele Spechtarten bauen ihre Höhlen in alten Bäumen. Der Anteil an Altholzflächen mit über 120-jährigen Baumbeständen und an Totholzinseln ist heute aber in vielen Wäldern zu klein. Erwünscht sind mindestens 40 Spechthöhlenbäume pro 10 ha Wald. In unseren Wäldern sollen Höhlenbäume gefördert werden. Damit diese laufend neu entstehen, braucht es eine «spechtgerechte» Waldbewirtschaftung.

Wanderfledermäuse
Grosse und Kleine Abendsegler sind typische Wanderfledermäuse, die auf ihren Zügen grosse Distanzen zurücklegen können. Über das Wanderverhalten des seltenen Riesen­abendseglers ist hingegen wenig bekannt.

Im Juni und Juli leben bei uns nur wenige Grosse und Kleine Abendsegler und meist sind es Männchen. Die Weibchen der Schweizer Populationen ziehen in dieser Zeit ihre Jungen weiter nördlich in Europa auf. Im August beginnen die Wanderflüge. Die Mütter und ihre flüggen Jungtiere fliegen zu Tausenden über hunderte von Kilometern auch in unser Land, um sich hier zu paaren und den Winterschlaf zu halten.


Noch vor dem Eintreffen der Weibchen haben die Männchen ihre Balzquartiere in Baumhöhlen bezogen und werben in der Abenddämmerung «zirpend» um die Gunst der eintreffenden Weibchen. Diese wählen die erfolgreichsten Balzsänger aus um sich mit ihnen zu paaren. Grosse und Kleine Abendsegler überwintern in Gruppen. Typische Winterschlafquartiere sind Spechthöhlen, Rollladenkästen und Hohlräume von Betonbrücken. Im Frühling brechen die Weibchen wieder in ihre Wochen­stubenquartiere im Nordosten auf.

Drei Arten in der Schweiz
In der Schweiz wurden bisher drei verschiedene Abendseglerarten nachgewiesen: Der Kleine Abendsegler (Nyctalus leisleri), der Grosse Abendsegler (Nyctalus noctula) und der seltene Riesenabendsegler (Nyctalus lasiopterus).
Abendsegler haben ein braunes bis rotbraunes, fast einfarbiges Fell. Die Ohren sind kurz und dreieckig. Der Ohrdeckel ist pilzförmig geformt. Die drei einheimischen Arten sehen sich sehr ähnlich, sie können aber anhand ihrer Grösse einfach voneinander unterschieden werden. Der Kleine Abendsegler ist mit einer Spannweite von 26-32 cm eine mittelgrosse Fledermausart, während der Grosse Abendsegler mit 32-40 cm Spannweite zu den grössten gehört. Der Riesenabendsegler, von dem es in der Schweiz nur rund ein halbes Dutzend Nachweise gibt, ist mit einer Spannweite von bis zu 46 cm sogar die grösste europäische Fledermausart.

Abendseglerbäume finden
Ab Juli bis Oktober besetzen die Männchen der Grossen Abendsegler Baumhöhlen, um Weibchen für die Paarung anzulocken. Noch vor Sonnenuntergang beginnen sie – auch für uns Menschen gut hörbar – zu «zirpen».
Suchen Sie in der Nähe Ihres Wohnortes nach Abendseglerbäumen. Der Ausflug der Tiere in der Dämmerung ist ein wunderschönes Erlebnis. Melden Sie Ihre Beobachtung der Stiftung Fledermausschutz.