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Klein, anpassungsfähig und überlebenstüchtig eine Zwergfledermaus hat problemlos in einer Streichholzschachtel Platz, besiedelt auch Neubauten und frisst jedes herumschwirrende Insekt, das ihr kleines Mäulchen schnappen kann. Fast in jedem Dorf gibt es eine Wochenstube dieser kleinen einheimischen Fledermausart. Oft verkriechen sich die Winzlinge durch Spalten in die Gebäudefassade oder ins Dach zwischen Ziegel und Dachunterzug. Wenn im Juni die Jungen erstmals ausfliegen, so fallen für einige Tage besonders viele «Chegeli» auf Fenstersimse, Balkone und Terrassen. Doch schon einige Wochen später ist die ganze Kolonie wieder weggezogen. Zwergfledermäuse sind abgesehen von der Zeit der Jungenaufzucht im Mai und Juni regelrechte Vagabunden und niemand weiss, wo sie den Winter verbringen. |
Ein Winzling
Eine frischgeborene Zwergfledermaus ist nur gerade bienengross und erwachsen ist sie kaum schwerer als ein Stück Würfelzucker. Sie könnte sich problemlos in eine Streichholzschachtel verkriechen. Mit einer Spannweite von rund 20 Zentimetern ist sie die kleinste einheimische Fledermausart.
Zwergfledermäuse kann man nach ihrem mehrmonatigen Winterschlaf im April wieder in unseren Siedlungen beobachten. Die Weibchen versammeln sich nun in Gruppen von fünfzig und mehr Tieren. Manchmal wechseln sie zwar vor der Geburt der Jungen ihren Unterschlupfort, sind dann aber in der Regel während der Jungenaufzucht für einige wenige Wochen sesshaft.
Im Juni kommen die Jungen zur Welt. Oft sind es Zwillinge. Bei der Geburt sind sie blind und nackt. Während drei Wochen werden sie von ihrer Mutter gesäugt, dann sind sie selbständig, fliegen abends auf Insektenjagd aus und vagabundieren von Quartier zu Quartier.
Neubesiedlungen von Einfamilienhäusern
Wochenstubenkolonien von Zwergfledermäusen befinden sich typischerweise in Dörfern, in Einfamilienhaussiedlungen und am Stadtrand.
Zwergfledermäuse sind hochspezialisierte Fassadenspaltenbewohnerinnen. Sie zwängen sich gerne in enge Spalten und die Mütter mit ihren Jungen sitzen oft so dicht beieinander, dass in einem Hohlraum von der Grösse eines Telefonbuches fünfzig Tiere problemlos Platz finden. Erwachsene Männchen verstecken sich tagsüber meist einzeln und fallen kaum auf.
Beliebte Spaltverstecke sind die Hohlräume hinter hölzernen Wandverschalungen, zwischen Dachbalken und Hauswand und im Dach zwischen Ziegeln und Dachunterzug. Bereits eine fingerbreite Spalte genügt den Zwergfledermäusen um problemlos hinein- und herausklettern zu können.
Bei Sonnenuntergang oder kurz danach springt ein Tier nach dem anderen aus dem Versteck und fliegt lautlos davon. Dies ist eine grossartige Gelegenheit, um die heimlichen Untermieter zu zählen.
Jagdflug auch mitten im Siedlungsraum
Zwergfledermäuse jagen in der Dämmerung rund um ihr Tagesschlafquartier. Viele Hausbesitzer möchten diese Mückenfänger darum nicht mehr missen.
Während der Nacht können Zwergfledermäuse dann über fünf Kilometer weit an benachbarte Waldränder und Gewässer fliegen, um auch dort Unmengen von Insekten zu vertilgen.
Jagende Zwergfledermäuse sieht man oft im Schein von Strassenlampen und nahe an Gebüschen sowie unter überhängenden Zweigen von grossen Bäumen an Gewässerufern, Waldrändern und in Parkanlagen. Sie verfolgen im schnellen Zick-Zack-Flug Mücken, Köcherfliegen und kleine Falter.
Meist bleiben Zwergfledermäuse während der ganzen Nacht vom Quartier weg. Nur die Mütter kehren zwischendurch zum Säugen ihrer Jungen zurück. Im Morgengrauen schwärmen alle Heimkehrer vor dem Haus, bevor sie plötzlich in ihrer Spalte verschwinden.
Gute Kerlchen schlechter Ruf
Obwohl viele Leute in ihrer Hausfassade Zwergfledermäuse haben, werden immer noch wilde Phantasiegeschichten über sie erzählt.
Zwergfledermäuse vermehren sich nicht ins Unermessliche. Nur ein Teil der Weibchen bringt im Sommer ein Junges oder Zwillinge zur Welt. Im nächsten Jahr kehren bloss die Mütter und ihre Töchter in das Wochenstubenquartier zurück.
Zwergfledermäuse nagen nicht an der Fassade oder am Isolationsmaterial, denn sie haben keine Nagezähne, sondern wie alle Fledermausarten ein Gebiss, das an das Fangen und Zerkauen von Insekten angepasst ist.
Zwergfledermäuse fallen meist nur darum auf, weil direkt unter ihrem Tagesschlafversteck winzig kleine «Chegeli» liegen. Täglich knapp ein Esslöffel voll, eigentlich kaum der Rede wert, schnell zusammengewischt und in der Giesskanne aufgeschlämmt sind diese «Chegeli» ein grossartiger Pflanzendünger! |
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Hilfe für junge Zwergfledermäuse
Junge Zwergfledermäuse sind neugierig. Bei ihren Erkundungstouren fallen sie manchmal ungewollt aus dem Quartier. Da sie noch nicht fliegen können, liegen sie dann piepsend am Boden, im Blumenbeet oder auf der Terrasse.
Wenn man weiss, wo sich das Quartier befindet, hält man das Junge möglichst nahe an die Einschlupföffnung. Blitzschnell klettert es dann hinein in seine vertraute Wochenstube.
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Wenn der Quartiereingang an einem unzugänglichen Ort ist, oder wenn man nicht weiss, wo sich das Quartier befindet, so schafft man eine Landeplattform für die Mutter! Man stellt vor Sonnenuntergang ein grosses Abwaschbecken auf das Balkongeländer oder auf ein Fenstersims. Mitten ins Becken stellt man wie einen kleinen Turm ein rauhes Stück Holz. Wer kein Holzstück zur Hand hat, stülpt einen Socken über ein umgekehrtes hohes Wasserglas, das man dann mit der Öffnung nach unten in die Schüssel stellt. Vor Einbruch der Dämmerung legt man den Winzling vorsichtig auf das Holz oder den Socken. Fällt er herunter, so bleibt ihm in der glattwandigen Schüssel nichts anderes übrig, als wieder auf das griffige Holz oder den Socken zu klettern. Im Normalfall beginnt das Junge aber sofort nach seiner Mutter zu rufen. Sobald diese in der Dämmerung zur Insektenjagd ausfliegt, hört sie ihren Sprössling, umkreist die Schüssel im Flug und landet auf dem Holz oder Socken. Das Junge klammert sich im Bauchfell fest und ab geht es mit dem kleinen Ausreisser, zurück ins sichere Wochenstubenquartier.
Läuft die ganze Aussetzaktion nicht wie geplant ab, oder hat man sonst noch Fragen wegen der Aussetzung eines Findlings, so gibt das Fledermausschutz-Nottelefon 079 330 60 60 weitere Auskünfte. |